Osmoseanlage fürs Aquarium: Leitwert, Aufhärten und Anschluss
In der Aquaristik ist Osmosewasser kein Komfort, sondern Ausgangsmaterial. Entscheidend ist nicht der Geschmack, sondern der Leitwert in µS/cm – und was Sie danach wieder hineingeben.
Das Wichtigste in Kürze
- Osmosewasser hat nahezu keine Härte – unverdünnt gehört es nicht ins Becken.
- Aufgehärtet wird entweder durch Verschneiden mit Leitungswasser oder mit Aufhärtesalz.
- Gemessen wird der Leitwert in µS/cm, nicht der TDS-Wert in ppm – das ist die Einheit der Aquaristik.
- Aquaristik-Anlagen werden am Wasserhahn oder Waschmaschinenanschluss betrieben, nicht unter der Spüle eingebaut.
- Das Abwasserverhältnis fällt bei zweien der drei Anlagen bauartbedingt schlechter aus als bei den Küchenanlagen; nur eine der drei erreicht rund 1:1.
Warum die Aquaristik eine eigene Anlage braucht
Technisch ist es dieselbe Umkehrosmose. In der Praxis unterscheiden sich die Geräte aber in drei Punkten, und deshalb führen wir sie in unserem Vergleich als eigene Bauart.
- Der Anschluss. Aquaristik-Anlagen hängen am Wasserhahn oder am Waschmaschinenanschluss und werden nach Gebrauch oft wieder abgebaut. Eine Untertischanlage wird eingebaut und bleibt.
- Die Menge. Ein Wasserwechsel braucht auf einmal viel Wasser. Die drei Aquaristik-Anlagen in diesem Vergleich liefern zwischen 190 (Dennerle) und 1900 Litern (myAqua 1900) Reinwasser am Tag – die Tagesleistung allein macht aber keine Aquaristik-Anlage: Auch drei Küchenanlagen liegen mit 284, 280 bzw. 180 Litern am Tag in diesem Bereich. Entscheidend ist der offene Auslauf ohne Armatur, siehe unten.
- Der Auslauf. Es gibt keine Armatur und keinen Druckbehälter, sondern einen Schlauch in den Eimer. Genau das will man beim Wasserwechsel.
Leitwert: die Zahl, auf die es ankommt
Der Leitwert misst die elektrische Leitfähigkeit des Wassers in Mikrosiemens pro Zentimeter (µS/cm) und steht damit für die gelöste Fracht insgesamt. Er ist in der Aquaristik die übliche Größe, weil sich Zielwerte für Arten und Becken darin ausdrücken lassen.
Wie weit eine Anlage kommt, zeigen die Messungen aus den Rezensionen dieses Vergleichs:
- Measury – von 324 auf 4 µS/cm; eine Rezension berichtet nach über zwei Jahren weiterhin 0 bis 10 µS/cm bei 700 µS/cm im Zulauf, mit ungewechselter Membran
- Dennerle Osmose Professional 190 – von 355 auf 15 µS/cm, nach einem Filterwechsel 4 µS/cm; GH- und KH-Wert per Tröpfchentest nahe null
- ARKA myAqua 1900 – von 545 auf 16 bis 18 ppm sowie von 657 auf 6 ppm; eine Rezension berichtet allerdings nur 70 bis 80 µS/cm bei 850 µS/cm im Zulauf
Die letzte Zahl ist der wichtige Teil: Streuung gehört dazu. Der erreichbare Leitwert hängt am Zulaufwasser, am Wasserdruck, an der Temperatur und am Alter der Membran. Wer einen Zielwert braucht, misst nach jedem Wechsel – und verlässt sich nicht auf die Angabe auf dem Karton.
Osmosewasser aufhärten: zwei Wege
Reines Osmosewasser hat praktisch keine Härte und keine Pufferkapazität. Fische, Wirbellose und Pflanzen brauchen aber Mineralien, und ein Becken ohne Karbonathärte kippt im pH-Wert weg. Aufgehärtet wird deshalb immer.
Weg 1: Verschneiden mit Leitungswasser
Sie mischen Osmosewasser und Leitungswasser, bis der Zielleitwert erreicht ist. Der Vorteil: Es kostet nichts extra. Der Nachteil: Sie holen sich alles wieder ins Becken, was im Leitungswasser gelöst ist – auch Nitrat oder Phosphat, falls die Analyse Ihres Versorgers dort auffällige Werte zeigt. Ihren Ausgangswert finden Sie über den Weg zur Wasseranalyse.
Weg 2: Aufhärtesalz
Sie geben ein definiertes Mineralsalz zu und stellen GH und KH gezielt ein. Das ist der reproduzierbare Weg und in der Wirbellosenhaltung der übliche: Für Bienengarnelen und andere Weichwasserarten gibt es Salze, die die Karbonathärte bewusst niedrig halten, für Neocaridina-Arten und Pflanzenbecken solche mit höherem Anteil.
Welche Zielwerte für Ihre Tiere gelten, steht in der Artbeschreibung oder beim Züchter – sie unterscheiden sich zwischen den Arten erheblich, und wir nennen hier bewusst keine allgemeine Zahl, die für die Hälfte der Becken falsch wäre.
Härten Sie im Eimer auf, nicht im Becken. Salz zugeben, umwälzen, Leitwert messen, erst dann einfüllen – so bleibt der Wasserwechsel für die Tiere ein Wasserwechsel und keine Umstellung.
Meerwasser: derselbe Ausgangspunkt, andere Anforderung
Im Meerwasseraquarium ist Osmosewasser Standard, und der Anspruch an den Leitwert ist höher als im Süßwasser: Das Salz soll die Ionenzusammensetzung bestimmen, nicht das Leitungswasser. Angesetzt wird mit Meersalz nach der Dosierangabe des Herstellers, kontrolliert wird über Dichte oder Salinität.
Praktisch heißt das zwei Dinge. Erstens: Menge. Ein Wasserwechsel im Meerwasserbecken verbraucht deutlich mehr Reinwasser als im Süßwasserbecken – die Tagesleistung der Anlage wird damit zum Auswahlkriterium. Zweitens: Vorratshaltung. Wer regelmäßig größere Mengen braucht, sammelt das Osmosewasser in einem Behälter, statt die Anlage bei jedem Wechsel neu anzuschließen.
Abwasser: der unbequeme Teil
Measury und Dennerle arbeiten ohne Druckerhöhung mit dem, was aus der Leitung kommt – und das kostet Ausbeute. Die myAqua 1900 gleicht das über eine eingebaute Druckerhöhungspumpe aus, siehe unten. Wir geben das Verhältnis als Reinwasser zu Abwasser an: 1:2 heißt zwei Liter Abwasser je Liter Reinwasser.
So steht es bei den drei Anlagen:
- Measury – 1:2 laut Hersteller; eine Rezension berichtet real 1:4
- Dennerle – keine Herstellerangabe; Rezensionen schätzen 1:2 bis rund 1:3,3, abhängig von Druck und Temperatur
- ARKA myAqua 1900 – rund 1:1 laut Hersteller; Rezensionen liegen zwischen 1:0,75 (besser als angegeben) und 1:1,2 (etwas schlechter als angegeben)
Der Unterschied kommt von der integrierten Druckerhöhungspumpe: Mehr Druck an der Membran heißt mehr Reinwasser je Liter Zulauf. Sie kostet dafür Strom – laut Hersteller rund 70 W im Betrieb. Wie sich das aufsummiert, steht im Kosten-Ratgeber.
Das Abwasser ist übrigens kein Abfall, sondern nur aufkonzentriertes Leitungswasser. Zum Blumengießen, Wischen oder für die Toilettenspülung ist es unverändert brauchbar – ein Eimer darunter spart die Hälfte des schlechten Gewissens.
Spülen und Wartung
Die Membran muss regelmäßig mit unbehandeltem Wasser gespült werden, damit sich die zurückgehaltene Fracht nicht festsetzt. Measury und Dennerle haben dafür ein Spülventil von Hand – eine Rezension beschreibt, dass ein kurzes Öffnen und Schließen genügt, wo ein älteres Modell noch Herumschrauben verlangte. Zur myAqua 1900 berichtet eine Rezension von einer nicht beworbenen automatischen Spülung, die die Anlage etwa einmal täglich selbst durchführt.
Einen Filterpreis nennt keiner der drei Hersteller – die Teilnote „Filterfolgekosten" bewertet deshalb Wechselintervall, Zahl und Zugänglichkeit der Filterstufen sowie ob handelsübliche statt herstellergebundene Kartuschen passen, siehe Kosten-Ratgeber. Der tatsächlich schwächste Punkt der Gruppe steckt im Abwasserverhältnis (siehe oben): Measury und Dennerle liegen dort schlechter als jede Küchenanlage. Die myAqua 1900 dagegen schlägt mit ihrer werkseitigen Druckerhöhungspumpe vier der neun Küchenanlagen (Naturewater, iSpring RCC7AK, Waterdrop K19-HG, Geekpure 5 Stufen System-Plus).
Die drei Aquaristik-Anlagen im Vergleich
Sie treten nicht gegen die Küchenanlagen an: anderer Maßstab, anderer Anschluss, andere Frage. Innerhalb der Gruppe ist Dennerle Osmose Professional 190 unsere Wahl – sie verbindet die einfachste Montage der drei Anlagen mit einer soliden Reinigungsleistung; beim Abwasserverhältnis liegt sie zwischen der myAqua 1900 (rund 1:1) und der Measury (real rund 1:4).
Unsere Wahl für die Aquaristik
Dennerle Osmose Professional 190
Anschlussfertige Aquaristik-Anlage mit Spülventil, laut mehreren Rezensionen niedrigem Leitwert – zum Abwasserverhältnis gibt es keine Herstellerangabe.
ARKA myAqua 1900
Aquaristik-Komplettset mit Druckerhöhungspumpe, laut mehreren Rezensionen rund 1:1 Reinwasser zu Abwasser – einzelne melden schwächere Leistung oder Defekte.
Measury Aquarium 380
Die günstigste Anlage im Vergleich, für Aquaristik, mit niedrigem Leitwert – eine Rezension misst 1:4 Reinwasser zu Abwasser statt der angegebenen 1:2.